24.02.2017

Histoire engagée in einer Lesung über Widerstand und Überleben

Stefan Hemler 

„MenschenRechte! Vom Widerstand und Neubeginnen“, lautete der Titel einer Veranstaltung, zu der die BUXUS STIFTUNG am 15. Februar in die Westtorhalle in Seehausen-Riedhausen bei Murnau am Staffelsee gemeinsam mit dem Werdenfelser Bündnis gegen Rechtsextremismus eingeladen hatte. [1] Schwerpunktmäßig ging es um ein gut erforschtes zeithistorisches Sujet, Widerstand und Überleben in der Zeit des Nationalsozialismus, doch war diese Thematik nicht Gegenstand eines gelehrten Vortrags, sondern sie wurde dem Publikum in Form einer historisch-literarischen Lesung vermittelt. Das Skript dazu hatte die Historikerin Irmtrud Wojak verfasst. Ihr Textprogramm aus Quellenauszügen, einordnenden Erläuterungen und gegenwartsbezogenen Reflexionen trug sie selbst im Wechsel mit dem Schauspieler und Sprecher Christian Jungwirth vor. 

11.12.2016

"Deutschland gedenkt seiner Toten im Zweiten Weltkrieg" - Rezension

Irmtrud Wojak

Der Historiker Gilad Margalit (1959-2014) lehrte an der historischen Fakultät der Universität Haifa über deutsche Geschichte. Er war stellvertretender Direktor des Haifa Center for German and European Studies und hat über Minderheiten geforscht, über Antiziganismus und die türkische Bevölkerungsgruppe in Deutschland. Mit seinem Buch in sieben Kapiteln über das Totengedenken regt er zu neuem Nachdenken über den Umgang mit der Geschichte des Nationalsozialismus an.

Seine Thesen fordern, schreibt Philipp Gassert im Vorwort, ein deutsches Publikum heraus, „weil sein Befund dem bundesrepublikanischen Selbstbild oft nicht entspricht. Auch liegen seine Ergebnisse außerhalb des historischen Mainstreams in Deutschland“.

Weiterlesen im fachbuchjournal, 8. Jg., (Dezember 2016), H. 6, S. 62 ff.

08.11.2016

Zur Neuausgabe eines Textes aus dem Jahr 1960

Kurt Nelhiebel

K. Nelhiebel © M. HermannFritz Bauer ist seit langem tot aber - salopp ausgedrückt - nicht totzukriegen oder besser gesagt totzuschweigen. Drei Spielfilme wurden in jüngster Zeit über ihn gedreht, in denen der wahre, der politische Fritz Bauer keine Rolle spielt. Gleichwohl haben sie das Interesse an diesem außergewöhnlichen Menschen geweckt. Viele wollen mehr über den Mann erfahren, dem die Würde des Menschen über alles ging, der sich in Liebe zu seinen Mitmenschen verzehrte und trotzdem nicht so recht heimisch werden konnte in Deutschland, das den von den Nazis Vertriebenen nur widerstrebend wieder aufnahm, als er aus dem Exil zurückkehrte, um beim Aufbau einer demokratischen Gesellschaft zu helfen. Entzündet hatte sich die alte Feindschaft eines Teils seiner Landsleute unter anderem an einem Vortrag, den Fritz Bauer als hessischer Generalstaatsanwalt 1960 auf Einladung des Landesjugendringes von Rheinland-Pfalz über „Die Wurzeln faschistischen und nationalsozialistischen Handelns“ gehalten hat. Er beklagte darin Untertanengeist und mangelnde Zivilcourage gegenüber der Obrigkeit. Sein Fazit: „Die Frage nach den Wurzeln des Nazismus ist daher auch immer die Frage nach der Empfänglichkeit breitester Schichten für seinen Ungeist und nach der Bereitschaft vieler, ja allzu vieler Menschen zur Komplizenschaft“.

19.10.2016

Tailfingen: Irmtrud Wojak rückt das öffentliche Bild Fritz Bauers gerade

Nadine Dürr

 "Es hätte ein kenntnisreiches Referat über Leben und Wirken eines so bemerkenswerten wie integren Juristen werden können. Irmtrud Wojak, Biografin Fritz Bauers, ging in ihrem Vortrag in der KZ-Gedenkstätte Hailfingen-Tailfingen jedoch weit über biografische Details hinaus und widmete sich vorrangig dem Imperativ, der sich aus Bauers Geisteshaltung und Handeln für Geschichtswissenschaft, Pädagogik und Gedenkkultur ableiten lässt. ..."

Bericht anlässlich eines Besuches der Fritz Bauer - Biographin in der KZ-Gedenkstätte Tailfingen-Gäufelden, erschienen im Gäuboten am 19. Oktober 2016.

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15.10.2016

Rezension

Irmtrud Wojak

Merle Funkenberg ist Erziehungswissenschaftlerin und freiberufliche Referentin in der außerschulischen Bildungsarbeit. Sie hat mit ihrer Studie über „Zivilgesellschaftliches Engagement und Begegnung mit KZ-Überlebenden“ – so lautete ursprünglich der Untertitel ihrer Dissertation – die erste Studie über die Zeugenbetreuung in NS-Prozessen von den 1950er bis in die 1980er Jahre verfasst und dabei auch den politischen Hintergrund ausgeleuchtet. Ihre Arbeit ist zugleich eine Studie über den Umgang mit den Opfern und Überlebenden der NS-Herrschaft in der deutschen Bevölkerung und speziell der Justiz dieser Zeit.

Als Quellengrundlage dienten für die Studie neben wenigen vorhandenen schriftlichen Quellen, unter denen vor allem die „Berichte zur Zeugenbetreuung“ hervorzuheben sind, die als eine Art Handreichung für neue Betreuerkreise erstellt wurden, 18 lebensgeschichtliche Interviews. Darüber hinaus wertete die Autorin Interviews mit Holocaust-Überlebenden aus, die in NS-Prozessen aussagten und die ihren „Zugang durch die Perspektive der Opferzeugen“ erweitern sollen.

Merle Funkenberg, Zeugenbetreuung von Holocaust-Überlebenden und Widerstandskämpfern bei NS-Prozessen (1964-1985). Zeitgeschichtlicher Hintergrund und emotionales Erleben. Gießen: Psychosozial-Verlag 2016, ISBN 978-3-8379-2551-7.

Weiterlesen im fachbuchjournal, Jg. 8 (2016), Nr. 5, S. 57f.