30.11.2015

Rezension

Irmtrud Wojak

„(…) Dass Lars Kraume die Entführung Eichmanns als Hauptmotiv wählte, mag unter anderem daran liegen, dass der Auschwitz-Prozess, mit dem der Name Bauer am ehesten verknüpft wird, erst vor kurzem zum Thema eines Spielfilms über die Schwierigkeiten deutscher „Vergangenheitsbewältigung“ wurde. Kraumes Film ist, was den historischen Hintergrund betrifft, um Genauigkeit bemüht. Längere Sequenzen sind in Israel gedreht, um Bauers Kontakte mit dem dortigen Geheimdienst und den Justizbehörden zu veranschaulichen. Die Persönlichkeit Eichmanns wird ausgeleuchtet, Ausschnitte aus dem Interview präsentiert, das der Antisemit in den 1950er Jahren dem holländischen SS-Mann Wilhelm Sassen in Argentinien gab. (…)

Umso unbegreiflicher ist, dass der Spielfilm die wirklichkeitsnahe Genauigkeit, die den Plot spannend macht, nicht beibehält, sondern die Hauptfigur neu erfindet und der Regisseur sich am Ende dankend auf zwei Ratgeber aus dem nach Bauer benannten Institut in Frankfurt/Main bezieht. Kraume kreiert seinen Protagonisten als gebrochenen Typ wie aus einem Tatortkrimi. Er verzeichnet Bauer als vom Schicksal Getriebenen, der sich – damit beginnt der Film – mit Alkohol und Schlaftabletten betäubt und dabei fast in der Badewanne ertrinkt. …"

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Die Rezension erschien im fachbuchjournal, Dezember 2015